Propofol


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Hypnotika Grundlagen
2:47
Barbiturate
1:46
Benzodiazepine & Flumazenil
5:29
Etomidat
2:25
Propofol
4:18
PRIS – Propofolinfusionssyndrom
3:36
Ketamin
5:28
Dexmedetomidin
1:17
GHB – γ-Hydroxybuttersäure
2:25

Propofol ist eine Lipid-Wasser-Emulsion mit ca. 10 % Sojaöl-Anteil. Es ist in der Konzentration von 0,5%, 1% und 2 %-ig zugelassen. Seine Wirkung erzielt es zum einen an der ß-Untereinheit am GABA-Rezeptor durch Verstärkung der Wirkung von GABA, zum Anderen durch die Inhibition der Acetylcholinfreisetzung im Hippocampus und durch die Inhibition des NMDA-Rezeptors durch Modulation der Natrium-Kanäle.
Propofol wird in der Leber rasch metabolisiert und die inaktiven Metabolite über die Niere ausgeschieden. Daneben existiert aber auch noch eine extrahepatische Metabolisierung, da die Clearance größer als der Leberfluss ist. Der Wirkbeginn ist schnell innerhalb 1 Minute und die Wirkdauer beträgt nach der Einmalgabe ca. 5-7 min.
Die initiale Halbwertszeit ist kurz durch Umverteilung und Elimination. Das könnt ihr euch im Video über das 3 Kompartimente Modell ansehen. Bei einer repetitiven bzw. Langzeitanwendung verlängert sich die kontextsensitive Halbwertszeit deutlich. Dieses wiederum ist im Video zur kontextsensitiven Halbwertszeit ausführlich erläutert. Propofol ist hypnotisch, antiemetisch, nicht analgetisch, löst ein Wohlbefinden bei der Einleitung aus, senkt den Hirndruck und den Augeninnendruck. Die Indikation besteht zur Narkoseeinleitung mit 2 mg/Kg und Narkoseaufrechterhaltung mit 4-6 mg/Kg/h, also der TIVA auch bei Kindern, auch bei der Porphyrie; zur Sedierung für kurze schmerzfreie Eingriffe bzw. diagnostische Maßnahmen und bei der Sedierung auf der Intensivstation bei Patienten über 16 Jahren. Zulassungsbeschränkungen bestehen bei Kindern unter 1 Monat für das 1%-ige und bei Kindern unter 3 Jahren für das 2%-ige Propofol.
Typische NW sind die Ateminsuffizienz, die dosisabhängige kardiovaskuläre Depression, die Bradykardie, der Injektionsschmerz, der nasale Juckreiz, die sexuelle Enthemmung, das Propofol-Infusionssyndrom, auch PRIS genannt und die Grünverfärbung des Urins bei der Langzeitanwendung.
Zusätzlich besteht die Gefahr der bakteriellen Kontamination bereits innerhalb von 6h, so dass das Propofol grundsätzlich frisch aufgezogen und nach spätestens 12 Stunden in einem Infusionssystem verworfen werden muss. Kontraindikationen sind Schock, Soja- und Erdnuss-Allergie, da es hier zu Kreuzallergien kommen kann.
Allerdings wird das kontrovers diskutiert, ob das im Propofol vorhandene raffinierte Sojaöl überhaupt Allergien auslösen kann. Ich persönlich würde dennoch kein Risiko eingehen wollen und auf Alternativen wie Midazolam oder Thiopental zurückgreifen. Propofol ist gut plazentagängig und kann ausreichend hohe Konzentrationen im Feten auslösen, so dass die Gabe zur Sectio laut Fachinformation kritisch gesehen wird. Allerdings kann laut Embryotox.de Propofol bei entsprechender Indikation zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft zur Narkoseinduktion und Aufrechterhalten genutzt werden.
Nur die Langzeitanwendung sollte vermieden werden. Zum Stillen nach der Anwendung gibt es uneinheitliche Informationen. Laut Fachinformation sollten 24 Stunden pausiert werden, laut Embryotox.de kann unmittelbar nach Narkose das Stillen fortgesetzt werden.
Zusammenfassend ist Propofol das Mittel der Wahl zur Narkoseeinleitung und Aufrechterhaltung bei der TIVA. Es hat eine deutlich verlängerte kontextsensitive Halbwertszeit bei der Langzeitanwendung. Bei der Soja-, Erdnuss- und Hühnereiweißallergie ist eine Alternative zu überdenken. Die Gefahr der bakteriellen Kontamination ist gegeben und zu beachten. Bei der Langzeitanwendung kann das Propofolinfusionssyndrom auftreten. Dieses erläutern wir ausführlich in einem anderen Video.

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